Orion von der Seite gesehen
Vergleicht man die Entfernungen von Orion miteinander, erscheinen die Sternpositionen deutlich zufälliger. Die Gürtelsterne liegen aber immer noch nahe beieinander. (Grafik: Kosmos Verlag/Gerhard Weiland)
Eines der markantesten Sternbilder am Nachthimmel ist der Orion: Seine Sterne lassen sich leicht als eine menschliche Figur interpretieren, die einen Gürtel trägt. Aber wie sieht er aus, wenn wir noch eine Dimension hinzufügen?
Allzu leicht vergisst man beim Blick in den Nachthimmel, dass die Verteilung der Sterne am Nachthimmel mehr oder weniger zufällig ist und es zunächst keinen Grund gibt, warum die Sterne genau so und nicht anders angeordnet sein sollten. Mit anderen Worten: Die Figuren, die wir am Himmel sehen, sind nur eine Momentaufnahme, in die wir Menschen ein Muster hineininterpretieren. Offensichtlich wird das, wenn man die Entfernung der einzelnen Sterne misst und miteinander vergleicht. Könnte man die Sternbilder „von der Seite“ (aus riesiger Entfernung) betrachten, so wird offensichtlich, dass die Sterne über einen großen Raum verteilt sind, und sehen dann oft nur noch wie eine Wolke aus zufällig verteilten Punkten aus.
Aus Erdperspektive verändern sich Sternbilder im Laufe der Jahrtausende „von selbst“: Alle Sterne rasen mit einer bestimmten Eigengeschwindigkeit durch das All – und das in unterschiedliche Richtungen. Somit zerlegen sich die heutigen Sternbilder im Laufe der Zeit von alleine.
Manchmal gehören Sterngruppen am Himmel wirklich zusammen – in dem Sinne, dass sie räumlich zumindest nahe beieinander liegen. Berühmt sind etwa die Plejaden, die einen offenen Sternhaufen bilden. Oder die Hyaden, die eine v-förmige Formation bilden.
Hier im Orion befinden sich etwa die Gürtelsterne nahe beieinander: Mintaka, Alnilam und Alnitak gehören zur sogenannten Orion-OB1-Assoziation. Bei OB-Assoziationen handelt es sich um lose Ansammlungen massereicher Sterne (OB-Sterne). Sie sind aus derselben Molekülwolke entstanden, aber gravitativ so schwach aneinandergebunden, dass sie sich im Laufe der Zeit immer weiter zerstreuen.
Verfolgt man die Bewegung der Sterne Beteigeuze und Rigel zurück, so stammen möglicherweise auch diese beiden Riesen aus Orion OB1 und somit aus derselben Wolke. Schulter und Fuß waren also wohl einst deutlich näher an Orions Gürtel …
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